Über Zella

Entstehung des Schwälmer Dorfes „Zella“ und seine weitere Entwicklung

Die Gründung von Zella fällt in die dritte Siedlungsperiode Hessens (700 bis 1200) und ist wohl einer der ältesten Orte unseres Schwalmtales. Wenn auch keine Urkunden über die erste Ansiedlung vorhanden sind, so fallen die ersten Besiedlungen in diese Zeit, in der in Hessen das Christentum eingeführt wurde.

Auch wenn die Urkunde Karls des Großen eine Fälschung ist und aus dem Jahr 782 stammt, ist sie von größtem Wert. Die in ihr aufgezählten Ortsnamen, zu denen wir natürlich auch Treysa, Wiera, Zella, Ottrau und andere zählen müssen, gestatten uns die Entstehung der angeführten Orte in die Zeit vor 782 zu verlegen. Ethnologisch gehören sie zu den ältesten Ortsnamen, deren Entstehung vor Karl dem Großen, teilweise sogar in die bronzezeitliche Siedlungsphase unseres Raumes anzusetzen ist. Damit aber weist sich der zentrale geographische Raum der Schwalm schon 782 als dicht besiedeltes Land aus.

Die Schenkungsurkunde Karls des Großen   und die Ortsnamen Analyse lassen keinen Zweifel daran, dass Treysa, Wiera, Zella, Ottrau und anderen, das heißt alle Orte mit den Endungen -aha, -affa, -ahna, -mana uralte Siedlungsschwerpunkte darstellen, von denen eine Flächenbesiedlung und auch die spätere fränkische Kolonisation ausgingen. Das hersfeldische Lehensgebiet umfasst die ältesten Siedlungsflächen unseres Raumes, deren Entstehung bis auf die jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Besiedlungen zurückgeführt werden kann. Nachweisliche Schwerpunkte liegen bei Wasenberg, Willingshausen und Wiera, wo sie der bronzezeitliche Fernweg mit seinen zahlreichen Hügelgräbern vorgibt. Damit ist aber auch angedeutet, dass entlang dieser Fern-, Herr- oder Handelsstraßen altes Reichsgebiet und später auch Allodialgüter (vererbbares Eigentum) der Grafen von Ziegenhain zu finden sind.

Der Name des Dorfes wird von Cella, einer mönchischen Ansiedlung, aus der Höfe und Dörfer wurden, abgeleitet.  Im Mittelalter war die Cella eine kleine Kapelle oder Mönchzelle, oft Siedlungskern.

Den Mönchen überließ man auswärtige Stationen zur Bestellung der Felder und zur Ausübung des Gottesdienstes. Nach dem Vorbild Christi zog ein Mönch mit 12 Getreuen aus und ließ sich an einem günstigen Platz nieder. Noch in alter Zeit deutete das Vorhandensein von 13 alten großen Bauernhöfen darauf hin.

Schon die Lage des Ortes lässt vermuten, dass hier besondere Gesichtspunkte bestimmend gewesen sind. Ähnlich wie bei der Wasserburg Ziegenhain spielt die Frage der naturgegebenen Sicherheit des Ortes vor Überfällen eine wesentliche Rolle. Die Gewässer der Schwalm und der in Zella damals einmündeten Antreff und später der Mühlgraben waren als „Dreieck“ für die damalige Zeit ein guter Schutz.

Nicht zuletzt dürfte aber für die Wahl des Ansiedlungsgeländes von Zella die Tatsache gesprochen haben, für alle in der zweiten Siedlungsperiode (400 – 700) einen Stütz- und Mittelpunkt für die neuen christlichen Ideen zu schaffen. Zella hatte sonach in der Vorzeit eine besondere Bedeutung. Es war lange der Sitz der Mutterkirche für ein bestimmtes Gebiet der engeren Schwalm (Gungelshausen, Leimbach Loshausen und Ransbach)

Die Schreibweise des Ortes hat sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geändert. (de Cello, (1224 UA Hersfeld), Cella, Celle (1254, UA Immichenhain), „Tzelle“ (1555),  Zell (1575), Zella (1639)

Die älteste bekannte Urkunde vom 18. Februar 1224 und ist im Staatsarchiv Marburg vorhanden. Darin wird von eine

Bild über die erste Erwähnung von Zella

geschrieben.

Zella gehörte früher zur Grafschaft von Ziegenhain, es war Lehen von Hersfeld. Wichtigster Grundherr am Ort war ursprünglich das Kloster Hersfeld, das das in Zella den Haupthof seiner Villikation eigerichtet hatte. 1312 verpfändet Hersfeld zur

Pfarrer Frisius (Fritsch) predigte bereits 1521 (als erster Pfarrer in der Schwalm) in der kleinen Dorfkirche den lutherischen Glauben.

1580 wie auch später präsentieren alternierend Hersfeld bzw. die Landgrafen und die Nodung.

1605 reformierte man das Kirchspiel Zella nach den Verbesserungspunkten des Landgrafen Moritz.

Seit 1616 gehören zur Gemarkung Zella auch die Ländereien der ehemaligen Gemarkung Wernersdorf. Der Ort Wernersdorf lag ca. 3 km südlich von Zella an der Kreuzung der Wege von Zella nach Holzburg und von Merzhausen nach Röllshausen. Es wurde ca. 1616 vermutlich durch ein Naturereignis verwüstet. Die Bewohner zogen nach Zella und bauten sich neue Anwesen auf.

Pfarrer Ludwig Gruber kam 1599 nach Zella. Der Name Gruber ist mit Zella eng verbunden, denn die Grubers sind fast ein ganzes Jahrhundert als Pfarrer dort gewesen (von 1599-1691). Während der Dienstzeit des Ludwig Gruber begann der Dreißigjährige Krieg, dessen Schrecken er bis zum Jahre 1631 miterlebte.

Noch 1658 lagen Pfarrhaus, Bauernhäuser und Scheunen in Schutt und Asche. Der sich dann um den Wiederaufbau der Kirche verdient gemachte Pfarrer Gruber fand mit seiner Familie Unterkunft in dem verwüsteten Gehöft von Claus Knauff. Erst 1665 konnten die verbrannten Anwesen und das Pfarrhaus wieder aufgebaut werden. Nur die Scheune wollten die Zellaer ihrem Prediger Gruber nicht bezahlen. Das Pfarrhaus wurde von 1828 bis 1836 grundlegend restauriert. 

Die ältesten vorhandenen Gemarkungskarten von Zella sind von 1743 mit der bebauten Ortslage. Die Originale befinden sich im Staatsarchiv Marburg.

Im Jahr 1744 wurde die alte Schwalmbrücke gebaut, ein vorhandener Stein, der in einen Brückenbogen von unten eingemauert war, enthält folgende Inschrift „1744 IST DIE BRIKE WIEDER AUFGEMAUERT“ Damit ist auch belegt, dass es eine frühere Brücke gegeben hat.

Im 17. Jahrhundert bauten die Zellaer ihre erste Schule, sie war eher ein Stall und stand neben dem Backhaus. Erst 1839 wurde das heute noch vorhandene Schulgebäude errichtet. Bis 1945 wurde nur in einer Klasse unterrichtet. In der untersten Etage wohnte der Lehrer mit seiner Familie.

Im Jahr 1770 wurde das alte Backhaus, das auch eine Wohnung hatte, abgerissen und durch das heute noch im Gebrauch befindliche ersetzt. Der Türbalken über der Eingangstür enthält die Inschrift „HANS CURTH SCHMITT GREBE, CONRAD IDE VORSTEHER, JOHANN HEINRICH WAGNER ZIMMERMEISTER, ANNO 1770“

Im Jahr 1870 wurde ein neuer Friedhof Richtung Gungelshausen angelegt. Der bisherige Friedhof (Kirchhof) war um die Kirche und durch eine hohe Mauer abgegrenzt.

1904 wurde Zella an das öffentliche Fernsprechnetz der Kaiserlichen Ober-Postdirektion angeschlossn.

1914 erhielt Zella durch die Firma Krüger aus Neukirchen die erste Wasserleitung. Die Quelle für das Trinkwasser war und ist noch heute oberhalb der Melanchthonschule und der Hochbehälter stand im Krausholz.

1924 wurde Zella an die Stromversorgung angeschlossen. Der Strom kam über die Landleitung in die Trafostation in der Bornleidstraße  und von dort über Dachständer  in die Häuser

1955/56 erhielt Zella seine erste Kanalisation. Die Abwässer wurden unter dem Mühlgraben und unter der Schwalm mit je einem Düker abgeleitet. So dass das Abwasser ohne Pumpen und damit ohne Stromkosten in das Kanalsystem eingeleitet wurde.

1955/1956 wurde die Bogenbrücke abgerissen und durch die heute noch vorhandene Brücke ersetzt. Auch die Kreisstraße (K110) durch Zella wurde erstmals 1956 asphaltiert.

Walter Friedrich

Quellen 
Staatsarchiv Marburg 
HNA    
verschiedene Jahrbücher des Schwälmer Heimatbundes
Die umfassende Historie des Ortes Zella und seiner Weiterentwicklung bis heute, ist in der umfangreichen Chronik abgedruckt.